Gar nicht Ga Ga – das Radio ist heute so lebendig wie vor 40 Jahren

16.06.2021

Selbst die Musiksender der 1980er Jahre konnten die klassische Rundfunkübertragung nicht verdrängen

 Ein junger Mensch liegt auf dem Boden und hört Radio

Aller Unkenrufe zum Trost erfreut sich das Radio nach wie vor großer Beliebtheit
Bildquelle: Pixabay @StockSnap


Anfang der 1980er Jahre wurde dem Radio vor allem aus der Musikbranche keine goldene Zukunft vorausgesagt. „Video killed the Radio Star“, der Hit des britischen Pop-Duos The Buggles aus dem Jahr 1979, bringt die Befürchtungen der Musikszene auf den Punkt und thematisiert die Vorreiter-Rolle des Fernsehens bzw. der zu dieser Zeit aufkommenden Musik TV-Sender. Passenderweise - oder vielleicht besser gesagt ironischerweise - ist dieser Song der erste, den der amerikanischen Sender MTV am 1. August 1981 zu seinem Start präsentiert.

Auch die englische Rockgruppe Queen beschlichen ähnliche Vorahnungen, als sie 1984 ihren Titel „Radio Ga Ga“ aufnahmen. Um auf die Bedeutung des Radios insbesondere für den Werdgang vieler Musiker und Musikerinnen hinzuweisen, ließ sich Queens Roger Taylor von seinem dreijährigen Sohn Felix inspirieren. Der kommentierte eine Radiosendung mit den Worten „radio ca ca“ bzw. „radio poo poo“ und kreierte damit indirekt ebenfalls eine Welthit.

Unsichtbare Wellen unterhalten und informieren

In den 1950er und 1960er Jahren, als sich noch nicht längst jeder Haushalt einen Fernseher leisten konnte, erlebte das Radio seine Hochzeit. Klobig und meistens von einem dunklen Holzrahmen eingefasst, so sahen die Röhrenradios dieser Zeit aus. Zum Radiohören kam die Famile in Küche oder Wohnzimmer zusammen: Ob Nachrichten, Krimis, Horspiele, Konzerte oder Fußballübertragungen – das Radio informierte und unterhielt. Außerdem war es zu dieser Zeit neben einer Tageszeitung häufig das einzige Informationsmedium.

Trotz des in den 1980er vorhergesagten Untergangs, lebt das Radio 40 Jahre später immer noch. Den Musiksender MTV gibt es inzwischen nicht mehr. 2011 war Schluss. Und auch der in den 1990er Jahre gegründete deutsche Musiksender VIVA stellte 2018 sein Programm ein. Die Deutschen aber blieben dem Radio treu: Durchschnittlich drei Stunden am Tag läuft in deutschen Haushalten das Radiogerät (Stand 2020). Rund 58 Prozent der Jugendlichen in Deutschland hörten 2020 täglich oder mehrmals wöchentlich Radio, aber nur 45 Prozent aller Jugendlichen sehen täglich fern. Wie aber funktioniert so ein Radio eigentich?

Modulieren, senden, empfangen, demodulieren

Oder anders gefragt: Auf welche Weise gelangen Schallwellen aus dem Tonstudio eines Radiosenders in unsere Wohnzimmer? Die Wellen, die unser Ohr als Töne wahrnimmt, haben nämlich für die Übertragung ungünstige Eigenschaften: Zum einen sind sie sehr träge und zum anderen lassen sie sich schlecht über große Entfernungen transferieren. Die Radiosender benötigen daher einen Träger und benutzen dazu elektromagnetische Wellen – die sind schnell und können auch große Distanzen überbrücken.

Im Tonstudio findet zunächst eine Umwandlung von Musik oder Ton in entsprechende Audiosignale statt. In einem als Modulation bezeichneten Vorgang werden diese anschließend auf die Trägerwellen gesetzt. Hohe Sendemasten senden die Radiowellen aus. Jeder Radiosender benutzt dazu eine eigene Trägerfrequenz, was verhindert, dass sich verschiedene Sender beim Empfang gegenseitig stören. Das Radiogerät nimmt die eingehenden Radiowellen über die Antenne auf und wandelt sie zurück in Schallwellen (Demodulation). Über eine Verstärkung des Tonsignals wird schließlich die Membran des Lautsprechers zum Schwingen gebracht. So hören wir Musik, Nachrichtensendungen, Fußballübertragungen u.v.m..

Radio goes digital

Die Rundfunkübertragung findet bis heute in hohem Maße analog statt. Einsen und Nullen formieren sich dabei zum digitalen Code des Audiosignals. Infolge der Digitalisierung nehmen digitale Sendeverfahren allerdings immer mehr an Bedeutung zu. Beim Empfang ist zwischen Digital- und Internetradio zu unterscheiden.

Das digitale Radio arbeitet nach dem DAB+ (Digital Audio Broadcasting)-Standard und sendet ein digitales Audio-Signal aus. Die Ausstrahlung erfolgt wie beim analogen Radio terrestrisch mit Sendemasten. Für den Empfang ist allerdings ein besonderer Empfänger bzw. ein spezielles DAB+-Radiogerät erforderlich. Beim Internetradio erfolgt weder eine Modulation noch Demodulation der Schallwellen. Das Signal wird ohne Trägerwelle als Datenstrom über das Netzwerk transportiert und schließlich von einer Software wiedergegeben. Der Empfang oder das Streaming ist mit jedem Smartdevice, also mit jedem Smartphone, Tablet oder Desktop-Gerät möglich, solange diese mit dem Internet verbunden sind.

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Der Vorläufer der Rundfunktechnik war übrigens die Telegrafie. Wer die erfunden hat und wer als Erfinder des Radios gilt, darüber berichten wir in einem unserer nächsten Beiträge.

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