Zum 100. Geburtstag des Theremin - ein Interview mit Gilda Razani

19.04.2020

Gilda Razani spielt Theremin bei einem Auftritt

Gilda Razani wurde im Iran geboren und hat an der Musikhochschule in Detmold Saxophon studiert. Sie ist nicht nur Musikerin, sondern auch Komponistin, Produzentin und Dozentin für Saxophon und Theremin an der Universität Dortmund. Seit dem Jahr 2019 unterrichtet sie das Theremin auch an der Musikschule in Bochum.

Gilda Razani hat auf zahlreichen Festivals weltweit gespielt und tourte mit ihren Bands schon durch viele Länder. Die vielbeschäftigte Künstlerin schreibt und produziert außerdem für den WDR Filmmusiken und Hörspiele.

 

Turck duotec: Frau Razani, wie kommt man auf die Idee, Theremin spielen zu wollen?

Gilda Razani: Eine gute Frage. Ich habe als Orchestermusikerin eigentlich Saxophon studiert. Dann habe ich eines Tages geträumt, dass ich jetzt Theremin lerne. Alle, denen ich am nächsten Tag von meinem Traum erzählt habe, haben natürlich erst mal herzlich gelacht. Auch ich habe ein wenig in mich hineingeschmunzelt, aber meinen Traum sofort in die Tat umgesetzt und Unterricht bei Carolina Eyck und Lydia Kavina, der Enkelin von Leo Theremin, genommen.

Was muss man beachten, wenn man Theremin spielen lernt?

Gilda Razani: Man muss einen guten Stand haben und auf jeden Fall sein Gehör weiter entwickeln, da die vom Theremin erzeugten Töne stufenlos sind. Das Instrument verfügt über zwei Antennen. Die linke Antenne sorgt für die Dynamik, die rechte ist für die Tonhöhe zuständig. Die Anzahl der Töne, die man mit dem elektronischen Musikinstrument spielen kann, hängen von dem jeweiligen Gerät ab. Mit einem meiner drei Theremin kann ich sechseinhalb Oktaven erreichen.

Ist das Theremin eher ein melancholisches Instrument?

Gilda Razani; Ja, das würde ich so sagen. Jedenfalls beim ersten Hören erscheinen die Klänge eher melancholisch. Aber man kann auch durchaus lustige Sachen damit machen. Es lässt sich vieles erforschen, genau wie auch bei jedem anderen Instrument. Entscheidend ist, dass man das Spielen beherrscht und dann einfach ausprobiert bzw. improvisiert, was ich recht häufig mache. Melodien sind auf dem Theremin unheimlich toll.

Wie viele musikalische Einsätze mit dem Theremin haben Sie im Jahr?

Gilda Razani: Ich spiele schon viel, eine genaue Zahl kann ich nicht nennen. Es gibt Auftritte mit „About Aphrodite“, einem Duo aus dem Musiker Hans Wanning und mir. Dann mache ich beim Projekt „The Dorf“ mit. Wir sind eine Musikgruppe, die ihre Basis im Ruhrgebiet hat und Jazz, Krautrock und experimentelle Musik spielt. Daneben gibt es Einsätze bei der alternativen Karnevalssitzung „Geierabend“ in Dortmund und im Sommer letzten Jahres habe ich bei dem Elektroakustischen Musiktheater „Oper, Skepsis und Gleisbau“ in der Maschinenbauhalle in Essen mitgewirkt.

Als Berufsmusikerin spielen Sie das Theremin nicht nur, sondern Sie schreiben dafür auch eigene Kompositionen.

Gilda Razani: Ja, genau. Der Track „Syria“ () auf dem 2018 erschienenen Album „Polaris“ ist zum Beispiel eine Eigenkomposition. Die CD ist gemeinsam mit dem Musiker Hans Wanning als Projekt unserer Band „About Aphrodite“ entstanden. Hans spielt Piano, Synthesizer und Live Electronic, ich Theremin, Saxophon und ebenfalls Live Electronic. „Syria“ ist konzertant-melancholisch ausgelegt und ein wenig dramatisch. Letzteres gilt auch für bestimmte Auftragsarbeiten für den Westdeutschen Rundfunk. So haben wir, Hans und ich, nach den Attentaten von Paris die Filmmusik zur Dokumentation „Je suis Charlie“ und zu einem Dokumentarfilm über die Silvesternacht in Köln komponiert. Das waren schon heftige Sachen. Trotzdem war es eine schöne Reihe.

Im Jahr 2020 wird das Theremin 100 Jahre alt. Haben Sie zu diesem Anlass etwas Besonderes geplant?

Gilda Razani: Ende des Jahres wird es einen Theremin-Sampler geben. Darauf bin ich auch mit einem Stück vertreten. Außerdem planen wir mit unserer Band „About Aphrodite“ ein Album zum hundertjährigen Geburtstag zu veröffentlichen.

Vielen Dank für dieses Gespräch.

Gilda Razani entlockt dem Theremin mystische Klänge