„Ohne eine Blinddarmentzündung hätte ich die Medizinphysik nie entdeckt“

30.07.2020

Maike Czyborras Berufswahl führte über leichte Umwege

 

Maike Czyborra studiert Medizintechnik

 

Manchmal eröffnen uns gerade die Ereignisse, die uns zunächst als wenig angenehm erscheinen, neue Perspektiven und Gelegenheiten. Manchmal sind es die eher zufälligen Begegnungen. Im Falle von Maike Czyborra traf beides zu. Erst führte sie eine Blinddarmentzündung ins Krankenhaus und damit geradewegs zur Medizinphysik, dann bescherte ihr ein zwangloses Gespräch unter Nachbarn eine Praktikantenstelle bei der Turck duotec in Halver.

Maike Czyborra wohnt mit ihrer Familie in Kierspe. Dort trägt sie samstagsmorgens zur Finanzierung ihres Studiums Zeitungen aus. Im Mai dieses Jahres kam sie dabei mit ihrem Nachbarn Arthur Rönisch, Geschäftsführer der Turck duotec, ins Gespräch. Der eine möchte wissen, was Maike neben dem Zeitungsaustragen sonst noch so macht, die andere sucht gerade nach einer Möglichkeit, ihr Bachelorstudium mit der dazu erforderlichen Arbeit erfolgreich abzuschließen.

Man darf vermuten, dass es sich bei besagtem Gespräch nicht um den üblichen Nachbarschafts-Smalltalk handelte, denn heute arbeitet Maike als Praktikantin bei einem Entwicklungsprojekt des EMS- und E2MS-Dienstleisters in Halver mit dem Ziel, anschließend ihre Bachelorarbeit zu erstellen.

Ideale Verbindung von Medizin und Physik

„Mein Interesse an Physik und Technik habe ich eindeutig meinem Lehrer Christian Breidebach an der Gesamtschule in Kierspe zu verdanken“, ist sich Maike sicher. Sein interessanter Unterricht, bei dem die Schüler und Schülerinnen schon früh zur Durchführung eigener Experimente und zur Gruppenarbeit angeleitet werden, ließen Maike bei der Wahl der Leistungskurse in der Oberstufe nicht lange zögern: Physik und Mathe mussten es sein. Auch nach dem Abitur war ihre Begeisterung für die beiden Fächer ungebrochen, so dass sie an der Universität Siegen ein Mathematik- und Physikstudium begann. Allerdings stellte sie nach einiger Zeit fest: „Beides hatte nur wenig Anwendungsbezug und war mir ein wenig zu theoretisch.“

Was sie stattdessen lieber studieren würde, wusste Maike noch nicht. Dann brachte sie eine Blinddarmentzündung ins Klinikum nach Lüdenscheid. Nach überstandener Operation begann die Studentin, die klinische Umgebung Stück für Stück zu erkunden und landete schließlich vor den Türen der Abteilung „Medizinische Physik“. Ihre Neugier war geweckt. Die Befragung einer Suchmaschine lieferte weiterführende Informationen und führte schließlich auch zu einem passenden Studiengang. Die Technische Universität Dortmund und die Ruhruniversität Bochum bieten in Kooperation den Studiengang Medizinphysik an.

Elementarteilchen und Nuklearmedizin

Maike war von dem Studiengang, der auf die physikalisch-technische Aspekte der Medizin ausgerichtet ist, sofort begeistert. Auch die Studieninhalte „Elementarteilchenphysik, Beschleunigerphysik und Synchrotronstrahlung“ konnten sie nicht abschrecken - im Gegenteil. Für sie war sofort klar: Das ist das Richtige. Wo sind Medizinphysiker denn nach dem Studium eigentlich tätig, möchten wir von ihr wissen. Die junge Frau aus Kierspe erklärt: Sie arbeiten z.B. in Kliniken in der Radiologie, in der Nuklearmedizin oder der Strahlentherapie. Hier überwachen und bedienen sie Magnetresonanz-Tomographen oder stellen – in Zusammenarbeit mit dem Ärzteteam - Bestrahlungspläne für Patienten auf.

Mit Sensoren Umgebungsbedingungen detektieren

Eine junge Frau hat das inoffizielle Harry Potter Backbuch in der Hand
Maikes Favoriten im Inoffiziellen Harry Potter Backbuch

Bei der Turck duotec ist die Studentin momentan Teil eines Teams, das sich mit der Entwicklung eines Gassensors zur Messung von flüchtigen Luftbestandteilen beschäftigt. „Das Fachgebiet ist zwar nicht hundertprozentig deckungsgleich mit meinem Studium, aber die Physik, die dahintersteckt, bleibt immer die gleiche“, erläutert Maike. So beschäftigt sie sich mit der Durchführung verschiedener Messreihen, um herauszufinden, wie zuverlässig das bisher entwickelte Gerät bei verschiedenen Umgebungsparametern wie z.B. Temperatur und Luftfeuchte misst. Was ihr daran vor allem gefällt, ist die Möglichkeit des selbstständigen Ausprobierens. „Wir müssen aber noch weitere Messreihen durchführen, bevor das Thema für meine Bachelorarbeit schlussendlich festgelegt wird“, sagt Maike, die in ihrer Freizeit gern backt, Fantasy-Romane liest oder Sport treibt.

Wir wünschen Maike weiterhin viel Erfolg und dass sie Krankenhäuser zukünftig nur noch aus beruflichen Gründen betreten muss.