Das erste elektronische Instrument der Welt – das Theremin wird 100

20.04.2020

Leon Theremin spielt auf dem nach ihm benannten Instrument

Im Jahr 1919 erfand der russische Physikprofessor Lew Sergewitsch Termen, der sich später Leon Theremin nannte, das nach ihm benannte elektronische Musikinstrument: das Theremin. Das Patent dazu wurde 1920, also vor genau 100 Jahren, angemeldet.

There…was? Nicht allzu vielen Menschen wird der Begriff geläufig sein. Dabei ist das Theremin etwas Besonderes: Zum einen ist es das erste elektronische Instrument überhaupt – es gilt als Vorläufer des Synthesizers -, zum anderen ist es das einzige Musikinstrument, das sich ohne direkten Körperkontakt spielen lässt.

Leon Theremin, der in St. Petersburg sowohl Physik als auch Cello studierte, war aufgrund seiner Ausbildung und seiner elektronischen als auch musikalischen Vorlieben geradezu prädestiniert, ein solches Instrument zu erfinden. Dennoch war das Theremin als Instrument eher ein Zufallsprodukt.

 

Statt Frühwarnsystem ein Musikinstrument

Eigentlich hatte der KGB Leon Theremin damit beauftragt, eine Art Alarmanlage für Gasangriffe zu entwickeln. Sensoren sollten den Gehalt giftiger Gase in der Luft messen. Heraus kam ein Kasten mit zwei Antennen, die, sofern man seine Hände in deren Nähe bewegte, Töne erzeugten. Theremin selbst nannte sein Instrument zunächst Ätherophon, erst später wurde es nach ihm benannt. Der kreative Erfinder entwickelte im Auftrag des KGB übrigens auch die Abhörwanze.

Zunächst stieß das neue Instrument auf breite Ablehnung. Ein Kasten mit zwei Antennen? Ein Instrument, dass weder Tasten noch Saiten, Löcher, Ventile noch Klappen hatte? Stattdessen ragten zwei Antennen aus einem kleinen Holzkasten. Wenn man einen Thereminspieler sieht, hat das Ganze einen Hauch von Magie: Berührungslos erzeugt der Künstler Töne, teils auch merkwürdige.

Keine Magie, sondern Physik

Aber es ist selbstverständlich keine Zauberei: Hinter der Funktionsweise des Theremin steckt das sogenannte kapazitive Prinzip. Man hat zwei Antennen: Über die eine wird die Tonhöhe, über die andere die Lautstärke beeinflusst. Ein Oszillator baut über der Antenne ein elektrisches Feld auf. Bewegt man seine Hand in dieses Feld, so beeinflusst man dieses und somit den Schwingkreis des Oszillators. Die Grundfrequenz liegt zwischen 100 kHz und 1 MHz, also bei 100.000 bis 1.000.000 Schwingungen pro Sekunde. Das Signal wird mit einem weiteren Oszillator mit fester Frequenz gemischt, denn sonst wären die Töne für das menschliche Ohr nicht hörbar. Die Töne werden verstärkt und über einen Lautsprecher widergegeben. Das Besondere ist übrigens, dass man Töne nicht nur in Ganz- und Halbtönen widergeben kann wie bei einem Klavier, sondern stufenlos.

Mit der zweiten Antenne wird die Lautstärke beeinflusst. Auch hier wird ein elektrisches Feld erzeugt. Wenn sich die Hand der Antenne nähert, verringert sich die Frequenz, das Ganze wird in eine Spannung umgewandelt, was schließlich die Lautstärke beeinflusst. Nach diesem Prinzip lassen sich übrigens auch Alarmanlagen bauen: Nähert sich ein Einbrecher dem geschützten Bereich, hört man einen Ton. Soweit bekannt ist, hat Leon Theremin dieses Prinzip tatsächlich auch für den Bau von Alarmanlagen genutzt.

Gilda Razani, Theremin-Dozentin am Institut für Musik und Musikwissenschaft der TU Dortmund, beschreibt den Klang des Theremins wie folgt: „Das Theremin ist ein melancholisches Instrument, erst einmal. Aber Du kannst auch lustige Sachen damit machen. Man kann alles erforschen, genau wie auf jedem anderen Instrument, man muss es halt nur lernen und sich ausprobieren.“ Das gesamte Interview mit der Künstlerin findet sich hier [...].

Das Theremin in Film und Fernsehen

Seit den 30er Jahren begann man, dass Theremin in der Filmproduktion einzusetzen. Dabei benutzte man das Gerät nicht nur als Instrument, sondern auch als Effektgerät. So wurden beispielsweise die Flug- und Landegeräusche von Ufos gerne mit Hilfe eines Theremins erzeugt. Dementsprechend kam das Instrument   insbesondere in frühen Science-Fiction-Produktionen, aber auch in Krimis und Horrorfilmen zum Einsatz. Immer da, wo man etwas Übersinnliches, Übernatürliches darstellen wollte. Dies funktionierte zum einen besonders gut, weil man mit diesem Instrument tatsächlich ziemlich schaurige Töne erzeugen kann, vor allem, wenn man es nicht beherrscht. Zum anderen aber auch, da das Gerät und die dementsprechenden Töne und Geräusche den meisten Kinobesuchern noch ziemlich unbekannt waren. 1996 setzte Regisseur Tim Burton das Theremin in seiner Science-Fiction-Komödie  ein.

Das Theremin wird auch heute noch in Film- und TV-Produktionen eingesetzt. In den Kultserien „Dr. Who“ und „Inspecor Barnaby“ ist es das Hauptinstrument im Vorspann, in einer Folge der US-Sitcom „The Big Bang Theory“ nervt Sheldon seine Mitbewohner, als er versucht, die Star-Trek-Melodie auf einem Theremin zu spielen, es aber nicht hinbekommt. Selbst Homer Simpson bringt in einer Folge Marge ein Ständchen auf dem Theremin, in einer weiteren Folge versucht sich Milhouse an dem Instrument.

In den 1930er Jahren entdeckte die Filmproduktion ihre Begeisterung für das Theremin - für den musikalischen Einsatz ebenso wie für die Erzeugung von Effektgeräuschen. So wurden beispielsweise die Flug- und Landegeräusche von Ufos gerne mit Hilfe eines Theremins produziert. Demzufolge kam das Instrument insbesondere in frühen Science-Fiction-Produktionen, aber auch in Krimis und Horrorfilmen zum Einsatz. Eben immer da, wo etwas Übersinnliches, Übernatürliches dargestellt werden sollte. Denn mit dem Theremin lassen sich tatsächlich ziemlich schaurige Töne produzieren, insbesondere dann, wenn man es nicht so gut beherrscht. Hinzu kommt, dass in den 1930er Jahren die Töne und Geräusche des Theremin den meisten Kinobesuchern noch ziemlich unbekannt waren.

Die Faszination für das ungewöhnliche Instrument hält bei Filmschaffenden immer noch an. 1996 setzte Regisseur Tim Burton das Theremin in seiner Science-Fiction-Komödie „Mars Attacks“ ein.  In den Kultserien „Dr. Who“ und „Inspecor Barnaby“ ist es das Hauptinstrument im Vorspann. In einer Folge der US-Sitcom „The Big Bang Theory“ nervt Sheldon seine Mitbewohner mit seinen vergeblichen Versuchen, die Star-Trek-Melodie auf einem Theremin zu spielen. Und auch Homer Simpson bringt in einer Folges seiner Frau Marge ein Ständchen auf dem Theremin, in einer weiteren Folge versucht sich Milhouse an dem Instrument.

Von den Rolling Stones bis Philipp Poisel

In der Pop- und Rockmusik fand das Theremin ab den 1960er Jahren Verwendung. Keine große Überraschung eigentlich, denn diese Zeit ist für ihre psychedelische Musik bekannt, und dessen Klänge ließen sich mit dem Theremin besonders gut erzeugen. Die Rolling Stones nutzten es 1967 unter anderem für ihren Song „2000 Light Years from Home“.

Selbstverständlich konnten auch die Progressive-Rocker von Pink Floyd dem faszinierenden Klang des Theremin nicht widerstehen und machten sich dessen effektvollen Klänge in dem über 23-minütigen „Echoes“ der Platte „Meddle“ zu nutze. Die Beach Boys verwendeten es in ihrem Kult Song „Good Vibrations“ und Jimmy Page von Led Zeppelin spielte das Instrument bei „Whole Lotta Love“. Zaz, Sting und Philipp Poisel sind Künstler, die das Theremin in der heutigen Zeit bei Konzerten nutzen. Und natürlich kann der Synthesizer-Künstler Jean-Michel Jarre nur schwerlich auf das Theremin verzichten.

Theremin spielen lernen

Übrigens: Wer das Thereminspielen erlernen möchte, kann sich bei der Musikschule Bochum melden. Dort unterrichtet Gilda Razani seit dem Spätsommer 2019 das Thereminspiel im Rahmen des „Bochumer Modell – Musik und Inklusion“.

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Bildnachweis: Fotocollage unter Verwendung eines Bildes von iStock

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